Im September 1989 strömten tausende Ostdeutsche Bürger mit ihren Familien in die bundesrepublikanische Botschaft in Prag, um ihre Ausreise in die Bundesrepublik zu erwirken. Die meisten waren mit ihren Autos in die ehemals tschechoslowakische Hauptstadt gereist.Der Trabi schaffte es, die Flüchtlinge der ehemaligen DDR über die Grenzen in die Freiheit zu bringen. Viele mussten auf der Flucht ihren eignen Trabant zurücklassen, ohne zu wissen wohin die Reise geht: „Quo Vadis“ ?
David Černý, dessen Leben zu dieser Zeit ebenfalls vom herrschendem System unterdrückt und seine Kunst zensiert war, zeigte sich von den politischen Entwicklungen in Deutschland stark beeindruckt.
Er nutzte die Gelegenheit, auf günstiges Material zugreifen zu können und stellte einen echten Trabi auf Beine und nannte seine Skulptur vorausschauend “Quo Vadis“.
In der Nacht zum 1. Juli 1990, am Tag der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, wurde „Quo Vadis“ zum ersten Mal auf dem Prager Marktplatz aufgestellt und faszinierte die Passanten von Beginn an.
Die Intention des Künstlers, den Mut der Ostdeutschen für ein Leben in Freiheit alles hinter sich zu lassen und dem sozialistischem Unrechtssystem zu entkommen, bildnerisch hervorzuheben und gleichzeitig eine tiefreichende Frage nach dem zukünftigen Weg der Deutschen zu stellen, hat bis heute nichts an Aktualität verloren.
„Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise …“
...dann gingen die weiteren Worte von Hans Dietrich Genscher im Jubel von tausenden Flüchtlingen in der deutschen Botschaft unter. Die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland erkannte den hohen symbolischen Wert des Kunstwerkes und kaufte es. Fortan schmückte „Quo Vadis“ den Garten der Botschaft im Palais Lobkowicz und zog jeden Tag so viele Besucher an, dass auf Grund von Sicherheitsproblemen die Skulptur mehrfach versetzt werden musste.Das Original, welches der Künstler quasi über Nacht und ohne Auftrag geschaffen hatte, war nicht für die Ewigkeit gemacht, da zwar ein relativ leichter Trabant auf einer Glasfaserkonstruktion stand, machte der Trabant zunehmend Probleme. Daher wurde „Quo Vadis“ 2001 durch einen Guss aus Bronze ersetzt. Das Original wurde an den Künstler zurückgegeben und von ihm an das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig als Dauerleihgabe für die Sammlung der Stiftung Haus der Geschichte übergeben.
Die Originalfigur wurde in den letzten Jahren wenig ausgestellt und fristete zu unrecht ein Schattendasein im Haus der Geschichte in Leipzig. Mit einer Präsentation auf der Leipziger Buchmesse vom 21. bis 24. März 2019 war das Original erstmals wieder in der Öffentlichkeit zu sehen. Anschließend reiste „Quo Vadis“ zur NordART nach Büdelsdorf und auf einen kurzen Abstecher zu den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2019 zum Parlament nach Kiel.
Der Galerist Karl-Friedrich Krause verfolgte die Kunst von David Černý seit Jahren und entwickelte ein freundschaftliches Verhältnis mit ihm. Es war naheliegend “Quo Vadis” in der Nähe der Mauer im November 2019 präsentieren zu wollen und dadurch noch einmal den Mut der Menschen im Herbst 1989 die Wende zu erzwingen zu unterstreichen. In Zusammenarbeit mit David Černý, Art Affair und mit Hilfe der großzügigen Unterstützung von Hagen Kahmann und KauriCab, einem Berliner Immobilienunternehmer, wurde die Originalskulptur “Quo Vadis” im November 2019 in Berlin am Tag des 30-jährigem Mauerfalls präsentiert. Die Idee und die Aufstellung erhielten viel Beifall.
Die sehr positive Resonanz und die Begeisterung der Zeitzeugen wie Rudolf Seiters (im Video), die Quo Vadis in Berlin besuchten, zeigten, daß eine dauerhafte Aufstellung in der Öffentlichkeit gewünscht wurde. Die inzwischen 30 Jahren alte Figur war auf Grund seiner technischen Zusammensetzung dafür aber nicht geeignet, so dass ein zweiter Bronzeabguss in Auftrag gegeben wurde.
Alles wurde für den 3. Oktober 2020 vorbereitet, aber dann kam Corona und die Feierlichkeiten wurden zum Großteil abgesagt und was für “Quo Vadis” schwerwiegender war, wurde die Kunstausstellung um einen Monat nach vorne auf den 3.9.2020 verlegt. Damit konnte der neue Guss nicht rechtzeitig geliefert werden. Unbürokratisch halft die Deutsche Botschaft in Prag aus und gestattete, den Bronzeguss, der seit 1993 im Garten stand, nach Potsdam für die Einheits-Expo 30 Jahre – 30 Stationen auszuleihen.
Im Rahmen der Ausstellung 30 Jahre – 30 Stationen anläßlich des 30. Jahrestages der Deutschen Einheit, wurde Quo Vadis die erste Station der sehr schönen Kunstausstellung, die von der Staatskanzlei des Landes Brandenburg und der Stadt Potsdam organisiert worden war.
Rechtzeitig für den 3.10.20 wurde, die 1,5 to schwere neue Bronze fertig und reiste sofort nach Potsdam. Dort kam es dann zu dem bemerkenswerten Ereignis, daß am 3.10.2020 gleich beide Bronzen vor dem Landtag zu sehen waren.
Anläßlich der 30 Jahre deutsche Einheit konnte der Künstler überzeugt werden, einer limitierten Edition im Maßstab 1:18 zuzustimmen. Der Künstler hatte bis dato noch nie einer Edition seiner vielen bekannten Skulpturen zugestimmt.
In Zusammenarbeit mit Till Breckner von der Galerie Breckner, dem Tagesspiegel Berlin und Art Affair wurde die auf 100 Exemplare limitierte und signierte Edition im Herbst 2020 erstellt.
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T: +49 (941) 5 99 95 91
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Montag – Freitag: 11-13 und 14-19 Uhr
Samstag: 11-18 Uhr
und nach Vereinbarung.